Festival and Internationale Akademie für Neue Komposition and Audio-Art

13. – 17 Dezember 2014

avantgarde tirol - new music on a high level

WICHTIGE ESSAYS



Marianne Penz-van Stappershoef

20 JAHRE IM DIENSTE DER NEUEN MUSIK

Es war 1993, im Monat Mai, als zum ersten Male ganz neue, noch nie gehörte und von einem Computer generierte Klänge im alten, ehrwürdigen Schwazer Franziskanerkloster erschallten. Die 1. Internationale Akademie für Neue Komposition konnte ihren Unterricht im Kloster abhalten. 7 ausgewählte und hochbegabte Jungkomponisten aus Österreich, Polen, England und Argentinien konnten ihre Fähigkeiten im Unterricht von Boguslaw Schaeffer und Marek Choloniewski erweitern und in Schwaz Werke mit neu erlernten Kompositionstechniken schreiben, welche in einem Abschlusskonzert von den Instrumentaldozenten uraufgeführt wurden.
Die Stadt Schwaz hatte ihren heißen Diskurs ... viele sprachen von „unerhört”, weil „noch nie gehört”. Aber es gab auch Menschen, die gleich vom Beginn an der Leidenschaft für die Neue Klangkunst erlagen.

Die Faszination von Neuen Klängen in alten Gemäuern ist zwar unbestritten, aber auch die herzliche Gastfreundschaft der Franziskaner konnte nicht wettmachen, dass unsere Lehrer der Akademie 1993 viel frieren mussten. Sie saßen im Kloster ja mehr als 8 Stunden am Tag. Darum war die Freude groß, dass uns in den Folgenjahren Direktor Josef Meister die moderne Landesmusikschule Schwaz für Unterricht, Proben und Konzerte zur Verfügung stellen konnte. Das Franziskanerkloster blieb uns für Konzerte im Mariensaal und in der Kirche erhalten. Auch konnten wir viele spannende Ausstellungen im Kreuzgang im ersten Stock des Klosters durchführen.
Begabte Komponistinnen und Komponisten aus den USA, aus Nord-, Mittel-, Ost- und Südeuropa, aus Asien, Süd-Afrika und Australien haben in den letzten 20 Jahren in unserer Akademie viel Neues lernen dürfen.
Im Laufe der Jahre durften wir die weltgrößten Spezialisten für Neue Musik in Tirol begrüßen. Ganz stolz sind wir darauf, dass es uns 1998 gelang, das weltberühmte Arditti-Quartett für den Unterricht in der Akademie zu gewinnen. Etwas später haben uns „die Ardittis” noch einmal besucht und im Habsburger Saal des Schlosses Tratzberg ein beeindruckendes Konzert bestritten. Unvergessen bleiben auch die Auftritte des Trio Harry Sparnaay, von Tiroler Künstlern wie u.a. Max, Christoph und Ulrike Engel, Mato Santek, Marlies Nussbaumer, Michael Cede, Gunter Schneider, Barbara Romen und Martin Mallaun. Auch der Auftritt von Hugh Davies (der leider schon verstorben ist), der auch eine reizende Kinderakademie in Schwaz abhielt und die Kinder mit selbstgebauten Bambusinstrumenten konzertieren ließ. Hugh Davies wollte weder in der Instrumentenwerkstatt noch beim Konzert irgendeine Form von „Competition” (Wettbewerb) verspüren. Ich habe mir das zu Herzen genommen und später schon einmal zu jungen Komponierenden gesagt: „Die Internationale Akademie für Neue Komposition und Audio-Art ist nicht nur für Deine Karriere da. Sie ist da für das Lernen und für die Kommunikation! Du bist ein Teil des Ganzen – wir alle zusammen tragen die gemeinsame Verantwortung für eine exzellente Akademie und für hervorragende Konzerte.”

2002 konnten wir unsere Akademie nicht in der Landesmusikschule Schwaz abhalten, da eine andere Akademie ihre Zelte in der Musikschule nicht abbrechen wollte. In so eine Lage wollten wir kein zweites Mal mehr kommen. Wir haben uns darauf um einen anderen Austragungsort für unsere Aktivitäten bemüht und sind dann für 3 Jahre in Seefeld gelandet. Wir denken noch gerne zurück an die spannende Kooperation mit der Sprungschanzenarena in dem olympischen Wintersportort. Unser Büro war im Kultur-Hotel Berghof auch bestens untergebracht.

2008 haben wir dann in Bürgermeister Franz Wurzenrainer von Rattenberg am Inn einen kongenialen Partner gefunden, der unsere Vision einer avantgarde tirol in der mittelalterlichen Stadt sehr gut teilen konnte. Ihm, der heuer viel zu jung verstarb, haben wir das Festkonzert am 13. Dezember (Malerwinkel) gewidmet. Dieses Festkonzert wird übrigens bestritten von 4 Krakauer Musikern, die schon als Lehrer in unserer allerersten Schwazer Akademie mitgewirkt haben.

Wie die Zeit doch schnell vergangen ist! Der polnisch-österreichische Komponist Boguslaw Schaeffer, der heuer seinen 85. Geburtstag gefeiert hat, hat uns 20 Jahre die Treue gehalten. Er steht uns aus Altersgründen in Zukunft nicht mehr zur Verfügung. Es ist für uns eine große Herausforderung, jemand zu finden mit ähnlich großer Kompositionserfahrung und pädagogischer Leidenschaft, wie sie Schaeffer besitzt.

Wir müssen also einen Generationenwechsel vornehmen. Das gilt übrigens ebenfalls für mich. Auch ich bin, krankheitsbedingt, nicht mehr in der Lage, die Frontfrau der avantgarde tirol zu sein. Ich würde aber gerne aus der 2. oder 3. Reihe am Projekt mitarbeiten, um die Belange der jungen Komponierenden weiter zu unterstützen. Die vergangenen 20 Jahre waren sehr interessante Jahre für mich. Was ich alles gemacht habe, habe ich immer gerne gemacht. Was ich alles gemacht habe, habe ich aber niemals alleine gemacht! Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang meinen Mann und meine Kinder, die im wahrsten Sinne des Wortes „viel mitgemacht haben”. Herzlichen Dank, liebe Familie Penz!

Nicht unerwähnt möchte ich die Tatsache lassen, dass zwischen den Vereinen „Muzyka Centrum” in Krakau und der „avantgarde tirol” eine tragfähige Brücke entstanden ist, über die schon mehr als 20 Jahre ein reger Kunst- und Künstleraustausch statt findet. Legendär waren die „Koncert Schwaz”- Aufführungen im Österreichischen Generalkonsulat in der alten polnischen Königsstadt Krakau!

Worum habe ich in den vergangenen 20 Jahren am meisten getrauert? Wohl um die Tatsache, dass wir seit 2008 durch drastische Kürzungen der Landesförderung nicht mehr in der Lage waren, unsere kompositionspädagogische Aufgabe in der Akademie zu erfüllen. Unsere Akademie ist und bleibt aber das Kernstück all unserer Aktivitäten.

Und worüber habe ich in den vergangenen Jahren am meisten lachen müssen? – avantgarde tirol besitzt eine Kartei mit weit über 3000 Adressen, darunter auch die von den berühmten Komponisten des zweiten und dritten Jahrtausends. Eine Adresse lautet: Herrn Wolfgang Amadé Mozart, Getreidegasse 9, 5020 SALBURG (Mozarts Geburtshaus). Ich staunte nicht schlecht als 2006 unser Katalog retour kam. Der Salzburger Postbote muss sehr gewissenhaft gewesen sein. Er hatte doch tatsächlich eine rosa Etikette neben Mozarts Name gepickt und darauf angekreuzt: verstorben!

2015 (und in den Folgejahren) soll unsere Akademie wieder fortgeführt werden. Wir möchten den Unterricht für Neue Komposition in der Neuen Mittelschule von Rattenberg am Inn unterbringen. Besonders reizvoll ist es auch für unsere 7 hochbegabten jungen Komponistinnen und Komponisten, die wie immer aus der ganzen Welt kommen werden, um an unserer Akademie teilzunehmen und um 14 Tage lang arbeiten zu dürfen in einer so einmaligen Stadt, wie Rattenberg es ist. Die Stadt strotzt geradezu vor Inspiration für Kunstschaffende aller Bereiche.
2015 möchten wir auch den Audio-Art-Unterricht fortsetzen. Wir hoffen, die kongeniale und bewährte Kooperation mit der Lichtakademie von Prof. Christian Bartenbach in Aldrans reaktivieren zu können.

Nochmals bedanken möchte avantgarde tirol sich bei allen Lehrenden der Akademie, allen Künstlerinnen und Künstlern, Subventionsgebern, Sponsoren, Kooperationspartnern und allen freiwillig Mitarbeitenden. Wir haben zusammen sehr viel erreicht. Bleiben Sie uns bitte auch weiterhin gewogen!

Ihre avantgarde tirol
Marianne Penz-van Stappershoef, Obfrau und Organisatorin

Mit den Vorstandsmitgliedern:
Dr. Hansjörg Unterlechner, Mag. Marek Ostafil, Dr. Klaus Woisetschläger,
Mag. Norbert Hoffmann, Prof. Harald Pröckl





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