Festival and Internationale Akademie für Neue Komposition and Audio-Art

13. – 17 Dezember 2014

avantgarde tirol - new music on a high level

WICHTIGE ESSAYS



Horst Rickels

Horst Rickels
Audio-Art

Der Begriff "Audio-Art" ist in der Bildenden Kunst entstanden und reiht sich neben "Pop-Art", "Land-Art", "Video-Art" etc. ein.

Wesentlich ist das Einbeziehen klingender Prozesse, die bis dahin der Musik vorbehalten waren, in den Bereich der Bildenden Kunst. Wechselseitig werden Musiker und Komponisten, die auf dem Gebiet der Audio-Art tätig sind, bildnerische Mittel der Gestaltung.

Die seit dem Ende der Renaissance aufgeworfenen Grenzen zwischen den verschiedenen Kunstdisziplinen werden so schließlich wieder aufgelöst. Neue Horizonte in der sinnlichen Wahrnehmung werden sicht- und hörbar. Unser Wahrnehmungsprozess ist nicht ein "Entweder-Oder", sondern ein gleichzeitiger: Es ist die Synthese von auditiven und visuellen Eindrücken (und natürlich auch von anderen sinnlichen Eindrücken).

Der Audio-Art-Künstler integriert außerdem die speziellen Eigenschaften von Komponist, Instrumentenbauer und Ausführendem, häufig, weil niemand anderer bereit ist, einen Teil dieser Arbeit zu machen, oder weil kein anderer die Vorstellung eines möglichen Resultats mit sich trägt, um sie fruchtbar werden zu lassen. Es geht eben nicht um Effizienz (kaum vorzustellen in der durchtechnologisierten Musikindustrie).

Die Arbeit eines Audio-Art-Künstlers ist sehr individuell mit seiner Persönlichkeit verbunden, sie beruht nicht auf Arbeitsteilung; ich würde sagen, sie ist postindustriell.

Der Audio-Art-Künstler sucht das Experiment, macht selbst einen Teil davon aus, setzt seinen Körper ein, gerade auch in Kombination mit avancierten Techniken, und probiert immer wieder aufs Neue sein Verhältnis zu den verschiedenen künstlerischen Mitteln zu definieren.

Er ist nicht abhängig von der Beherrschung eines Instruments. Er schafft sich eines und fragt es, was es will und kann, und ob es Lust hat, mit ihm zu spielen. Oder vielleicht lieber ohne ihn, automatisch, so wiel es selbst will?

Letzendlich ist nicht nur die Aufführung von vorher bereitgestellten und komponierten Klängen wesentlich. Das Sichtbar- und Hörbarmachen des Prozesses der Klanggenerierung selbst wird vor einem Publikum demonstriert: Hier und jetzt passiert es!

Kompositorische und improvisorische Elemente verschmelzen im Moment.

Horst Rickels

Komponist, Performer und audio-visueller Künstler
Dozent an der Interfakultät "Sound and Image" am
Koninklijk Conservatorium in Den Haag und an
"The Design Academy" in Eindhoven

1998
© Horst Rickels
Publiziert im Programmheft der 6. Akademie (1998)
Publiziert im Programmheft der 7. Akademie (1999)





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